Flashpoint - Das Interview zur Serie

13TH STREET freut sich, seinen Lesern ein spannendes Interview mit dem Schauspieler Enrico Colantoni bieten zu können. Colantoni spielt in der erfolgreichen kanadischen Cop-Serie "Flashpoint", deren Start in den USA mehr als acht Millionen Menschen verfolgten, Sergant Gregory Parker, den Teamleiter der SRU. Im Mittelpunkt der Serie steht die Strategic Response Unit (SRU), die immer dann auf den Plan gerufen wird, wenn es um Einsätze geht, die die regulären Polizeikräfte nicht bewältigen können. Knallharte Action und Topspannung - ab dem 25. Juni immer Donnerstags ab 20.13 Uhr in Doppelfolge in der 13TH STREET! Im Gespräch berichtet Colantoni unter anderem über die Vorbereitung auf seine Rolle, die Figur des Sergant Parker und die Dreharbeiten von "Flashpoint" in Kanada.

Flashpoint Sergant Gregory Parker Enrico Colantoni

Das Interview mit "Flashpoint"-Darsteller Enrico Colantoni

Erzählen Sie uns doch ein wenig darüber, wie Sie sich auf Ihre Rolle in Flashpoint vorbereitet haben. Sie spielen in der Serie eine sehr ernsthafte Rolle und die Zuschauer haben bisher von Ihnen einen ganz anderen Eindruck. Mussten Sie ein besonderes Training absolvieren, um sich in die Figur des Sergeant Gregory Parker hineinzufinden?
EC: Mein Bruder ist seit 30 Jahren bei der Polizei von Toronto. Daher kenne ich schon mein ganzes Leben lang ernsthafte Polizisten wie Gregory Parker. Amüsanterweise hat mein Bruder früher immer zu mir gesagt, dass aus mir kein guter Polizist werden würde, weil ich viel zu sensibel bin. Also bin ich Schauspieler geworden, in der Hoffnung eines Tages wenigstens einmal einen Polizisten zu spielen - denn näher würde ich diesem Job im realen Leben ja nicht kommen.
Als ich nun das Skript zu Flashpoint bekam, gab ich es meinem Bruder. Er las es und war begeistert von der Authentizität - vor allem des Pilotfilms. Denn der basiert nicht nur auf Ereignissen, die tatsächlich vor ein paar Jahren in Toronto passiert sind. Mein Bruder erkannte auch in den Protagonisten die Leute wieder, mit denen er über die letzten Jahre seiner Polizeikarriere hinweg gearbeitet hat.
Über die Arbeit bei der Polizei habe ich also schon mein ganzes Leben lang viel mitbekommen. Natürlich haben wir uns auch mit einigen Sondereinsatzkommandos aus Toronto getroffen. Von ihnen haben wir etwas über Waffen und taktische Einsätze gelernt, z.B. wie man ein Haus räumt, Verhandlungen führt und solche Dinge. Alles in allem habe ich mich aber stark auf das Skript und dessen hervorragende Autoren verlassen und in meine Rolle so viel Menschlichkeit wie möglich eingebracht. Und dann musste ich auch noch etwas abnehmen. Die Uniformen sind einfach sehr eng – und als letztes wollte ich meinen Bruder blamieren und einen leicht übergewichtigen Polizisten darstellen…

Gerade die weiblichen Zuschauer finden den engen Schnitt der Uniformen recht ansprechend…
EC: Ach tatsächlich?

Aber ja, ziehen Sie sich bloß nicht um!
EC: Ich nehme an die Uniformen sind eher auf eine militärische Art interessant.

Sie haben also nicht angenommen, dass die Uniform Sie zu einem Sexsymbol machen würde?
EC: Ich nehme an, eine Uniform und ein Waffengürtel können nicht schaden. Man zieht einfach das Kostüm an und die übernimmt dann die Schauspielerei für einen, richtig?

Wie Superman?
EC:  Ja genau, wie Superman.

Was sind Ihre Pläne nach Flashpoint? Können wir uns auf neue Projekte freuen?
EC: Wir arbeiten gerade an der zweiten Staffel von Flashpoint. Und nebenher versuche ich auch noch ein wenig Privatleben zu haben. Ich bin Vater, koche gerne und wenn ich nicht gerade arbeite, versuche ich mich mit den wirklich wichtigen Dingen des Lebens zu beschäftigen. Die Suche nach der nächsten Rolle steht für mich daher momentan nicht an erster Stelle. Aber natürlich muss auch ich arbeiten…
Ich habe in ein paar Filmen mitgespielt, vielleicht kenne Sie sie oder haben den ein oder anderen gesehen. An Arbeit wird es mir nicht mangeln. Jedoch muss ich mich mittlerweile mehr darauf konzentrieren, wie ich meine Zeit verbringe, wenn ich nicht arbeite. Es hat einige Zeit gebraucht, dahin zu kommen, dass ich meinen Lebensunterhalt mit der Schauspielerei bestreiten kann. Jetzt ist dieser Job ein großer Teil meines Lebens und ich muss mehr darauf achten, meine Freizeit zu genießen.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit? Was macht man denn in Kanada, wo es doch die meiste Zeit im Jahr ziemlich kalt ist?
EC: Wenn ich frei habe, bin ich in Los Angeles, denn meine Kinder wachsen dort auf. Es ist ein ganz anderes Lebensgefühl, sich nicht eineinhalb Stunden anziehen zu müssen, bevor man ins Freie geht! Das spart einem wirklich viel Zeit und man muss keine Tricks lernen, wie man sich am besten warm hält. Wenn es in L.A. kalt wird, wirft man sich einfach eine leichte Jacke über, so einfach ist das. Außerdem liebe ich es, in Los Angeles spazieren zu gehen. Und im Winter ist man innerhalb einer Stunde in den Bergen. Mein Sohn und ich gehen oft zusammen Snowboarden. Sonntagabend gibt es bei uns traditionell ein Familienessen, was den Italiener in mir glücklich macht. Wir lieben es einfach, unsere Mitmenschen zu bewirten.

Sie spielen in Flashpoint eine sehr interessante Figur. Was mögen Sie an Sergeant  Gregory Parker und was überhaupt nicht?
EC: Ich mag an Sergeant Parker besonders, dass er nicht einer der typischen Polizisten ist, wie wir sie jeden Tag im Fernsehen sehen. Er ist unglaublich großherzig und seine Sorge um das Wohlbefinden der Straftäter inspiriert mich. Er möchte zu diesen Leuten unbedingt einen Zugang finden und schwierige Situationen doch friedlich lösen. Er ist auch ein wunderbarer Teamleiter. Er kümmert sich sehr um sein Team, denn er ist für jeden einzelnen verantwortlich. Aber wenn die Dinge einmal nicht so laufen, wie sie sollten, nimmt er es persönlich. Für Parker ist es wichtiger ein guter Mensch zu sein, als nur ein guter Polizist. Und genau das berührt mich und das mag ich an ihm.
Was ich nicht so an ihm mag, sind eigentlich Dinge, die Anfangs in der ersten Staffel noch ziemlich im Verborgenen bleiben, seine familiäre Situation zum Beispiel. In der zweiten Episode bekommen wir eine leise Ahnung davon, dass Parker eine Vergangenheit hat und dass er in seinem Leben Fehler gemacht hat. Wir erfahren aber nicht viel von ihm, da er die meisten Leute auf Abstand hält. Er gibt nicht viel von seinem Privatleben Preis. Parker zu spielen, macht mir vor allem mit dem Fortschreiten der Staffel immer mehr Spaß. Wir werden mehr darüber erfahren, welche Fehler er in seiner Ehe gemacht hat, dass er nicht immer der perfekte Vater war und noch einiges mehr.

Haben Sie währen der Dreharbeiten etwas darüber gelernt, wie Sie sich bei einer tatsächlichen Geiselnahme verhalten sollten?
EC: Jedes Mal, wenn ich ein Skript von Flashpoint lese, fühle ich mich wie der Fernsehzuschauer und überlege panisch, was Greg wohl tun wird. Ich bin dankbar, dass die Autoren für mich entscheiden, wie es weitergeht. Würde ich in so einer Situation gemäß meiner Lebenserfahrung entscheiden, wäre ich aufgeschmissen. Ich würde wahrscheinlich am liebsten jedem eine Tasse Kaffee kaufen und dann alle mit nachhause nehmen.
Greg ist in solchen Situationen so viel klüger als ich. Die Dreharbeiten für Flashpoint erinnern mich jedoch immer wieder daran, wie wichtig es ist, zu den Leuten um sich herum einen persönlichen Draht zu haben. Gut zuhören, ist schon die halbe Miete. Wenn die Leute das dann auch merken, sind manche Probleme so gut wie gelöst. Und genau so verhalte ich mich meinen Kindern, Freunden und Arbeitskollegen gegenüber. Ich möchte, dass sie wissen, dass ich ihnen zuhöre und das hat mir bisher sehr geholfen.

Auf was bezieht sich der Ausdruck Flashpoint? Und wie passt das zum Thema der Serie?
EC: Der Ausdruck „Flashpoint“ (dt. Spannungsgebiet/Flammpunkt) bezieht sich auf den Moment, an dem sich das Leben eines Menschen ändert, auf eine Sache, die einem passiert und damit schlagartig alles anders wird. Wenn Sie sich die Episoden ansehen, werden sie feststellen, dass wir immer mit einem Vorfall beginnen, sozusagen auf der Höhe des Spannungsbogens der Geschichte, an dem sich die Dinge zuspitzen. Und dann gehen wir in der Zeit zurück, drei Stunden, eine Woche, und stellen die Charaktere vor und zeigen, was zu diesem Moment geführt hat - diesem alles verändernden Moment.
Für den Titel der Serie gab es verschiedene Ansätze. Im Gespräch waren „Critical Incident“ (dt.: Der entscheidende Zwischenfall) oder „Sniper“ (dt.: Scharfschütze). Aber ich denke „Flashpoint“ gibt auch von seiner Wortbedeutung wieder, wie ein Moment die Beteiligten persönlich betrifft, wie sich die Konsequenzen dieses einen Moments auf den restlichen Tag oder das zukünftige Leben der Personen auswirken werden.
Wenn Sie den Pilotfilm gesehen haben, wissen Sie, dass sich Ed Lanes Leben durch das, was er tun muss, verändert. Er scheint unverwüstlich und kontrolliert zu sein. Doch dann kommt dieser Moment, wo er etwas tun muss, auf dass er seine ganze Karriere lang vorbereitet war. Doch er rechnet nicht damit, dass seine Emotionen  hochkommen, ihn vereinnahmen und daran erinnern, dass er selbst nur ein Mensch ist – genau wie die Person, die er gerade getötet hat. Und genau das macht die Serie Flashpoint so einzigartig. Wir beschäftigen uns eingehend mit den Konsequenzen unserer Handlungen, im Gegensatz zu den gewöhnlichen Polizeifilmen, in denen eine Festung gestürmt, der Feind eliminiert und danach gemeinsam ein Bier getrunken wird. Und genau das ist es, was ich an der Serie besonders gerne mag.

Wenn man sich Ihre bisherigen Rollen in TV und Film ansieht, hätten Sie so gut wie jede der Hauptfiguren in Flashpoint spielen können. Wieso glauben Sie, hat man Sie für die Rolle des Verhandlungsführers und Friedenswächters ausgewählt und z.B. nicht für einen Sprengstoffexperten oder für eine Figur mit mehr Gewaltpotenzial?
EC: Danke für das Kompliment! Ich denke die Produzenten Anne Marie La Traverse und Bill Mustos waren Fans der TV-Serie „Veronica Mars“. Ich weiß nicht, ob die Serie bei Euch im Fernsehen läuft? Jedenfalls ist eine der Hauptfiguren, Keith Mars, ein hervorragendes Beispiel für jemanden, der ein gutes Herz hat und sich liebevoll um seine Tochter kümmert (FYI: Die Tochter wird vergewaltigt, der Fall kommt nicht zur Verhandlung, Dad und Tochter arbeiten zusammen) und dennoch fähig ist, schlimme Dinge zu tun. Und ich denke genau das war es, wonach die Produzenten gesucht haben: Einer Person, die liebenswert ist, einen großen Kopf und Pausbacken hat, wie ich eben. Kurzum, jemandem, dem man vertrauten kann, jemandem mit dem man in einer schwierigen Situation gerne reden und auf den man hören würde. Und nicht einen großen, toughen Kerl, der einschüchternd und furchteinflößend wirkt wie z.B. Hugh Dillon. Ich glaube, mir sieht man diese Eigenschaften einfach an. Daher ist diese Rolle für mich einfacher, denke ich.

Auch wenn es sich bei Flashpoint um eine ernsthafte Serie handelt, haben wir den Eindruck, Sie hatten viel Spaß mit Ihren Kollegen, wenn die Kamera nicht lief. Stimmt das?
EC: Ja, und so muss das auch sein. Genau deshalb verstehen Hugh und ich uns auch so gut. Wir wissen einfach, wann man sich such mal einen Spaß erlauben kann und ich denke, das kommt auch rüber. Da kommt mir auch mein Comedy-Hintergrund bestimmt zu Gute: Ich versuche einfach manchen Situationen etwas von ihrer Ernsthaftigkeit zu nehmen, auch während der Arbeit. Ich bringe ein wenig Leichtigkeit in die Sache und versuche möglichst viele solcher Momente zu finden, die sind Gott sei dank immer eine nette Abwechslung, wenn die Kameras mal gerade nicht mitlaufen. Bei uns geht es manchmal zu wie in Umkleideräumen nach dem Training - ziemlich testosteron-getrieben, mit vielen Beschimpfungen, die natürlich scherzhaft gemeint sind. Es macht uns einfach Spaß, uns gegenseitig hochzunehmen. Zum Glück gibt es diese Momente, denn wenn wir immer nur ernst wären, hätten wir vielleicht irgendwann unseren ganz eigenen „Flashpoint“.

Mr. Colantoni, vielen Dank für das Interview!

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